Unfassbare Respektlosigkeit! Streit mit Horst Lichter eskaliert – und trotzdem wird verkauft
„Das ist ein sehr stimmungsvolles Gemälde“, meint „Bares für Rares“-Moderator Horst Lichter und fragt die Kandidaten, wo es her ist.

„Wir haben es von meiner Mutter geerbt, als die starb, die hat es von einer Freundin geerbt und die hat es von dem Käufer geerbt“, erklärt Rainer Samans und möchte, dass diese Erbschaftskette nun gebrochen wird.
„Wir hoffen, dass das Bild hier Gefallen findet bei den Händlern, dass es einer übernimmt und wir es nicht wieder mit nach Hause nehmen müssen“, meint er.
Doch zuvor steht die Expertise von Kunstfachmann Albert Maier an. Es handelt sich um ein Gemälde in Öl auf Leinwand, das signiert ist von Rudolf Huthsteiner. Es ist datiert auf das Jahr 1910.
„Es ist ein sehr frommes, ein sehr andächtiges Bild. Wenn man die Sonne sieht, wie sie durch das Fenster scheint – es ist das Licht Gottes. Es handelt sich mit Sicherheit um das Interieur eines katholischen Pfarrers. Die Truhe ist eine Römer-Renaissance-Truhe.
Das große Bild dahinter ist der heilige Antonius mit dem Jesuskind. Links steht eine wunderschöne Büste: Madonna mit Kind. Und was ganz toll gelungen ist, ist der Efeu auf den gelben Wänden. Es ist ein sehr schönes und andächtiges Bild mit viel Ruhe“, erklärt der „Bares für Rares“-Experte.

„Bares für Rares“-Kandidat erhebt Zeigefinger gegen Horst Lichter
Der Rahmen sei mit absoluter Sicherheit aus der Zeit der Entstehung des Gemäldes. „Der Zustand ist sehr in Ordnung. Ich würde an dem Bild nicht restaurieren, ich würde alles so lassen. Es darf Altersspuren haben. Es muss nicht alles perfekt gerichtet sein“, sagt Albert Maier.
Dann kommt die Frage alle Fragen: Was soll es kosten, dieses Gemälde? „Wir haben uns überlegt, wir verlassen uns ganz auf sein Urteil“, sagt Rainer Samans. Ja, das wollten auch schon Kandidaten vom ihm.
Nur lässt Moderator Horst Lichter das so nicht durchgehen, es gehört nun einmal zu den ungeschriebenen Spielregeln von „Bares für Rares“, dass die Verkäufer einen Wunschpreis nennen müssen, dann meist sehr überrascht sind, dass ihr Mitbringsel viel mehr oder wesentlich weniger wert ist, als sie glaubten.
Doch: was ist das? „Ich mache da mal eine riesige Ausnahme“, antwortet Horst Lichter ohne Nachzubohren. „Die mache ich normalerweise nie. Normalerweise quäle ich die Leute, bis ich einen Wunschpreis habe.“ Doch der gebrechliche alte Herr kontert mit erhobenem Zeigefinger: „Da gehören ja auch immer zwei dazu: einer der quält und einer der sich quälen lässt.“ Touché!
Also dreht sich alles um den Schätzpreis von Albert Maier. „Ich denke an 600 bis 800 Euro“, sagt der. Das ist okay für die Kandidaten, die mit Freude die Händlerkarte nehmen.
Im „Bares für Rares“-Verkaufsraum nimmt Jan Cizek das Bild unter die Lupe. Er sieht sofort eine kleine Beschädigung, ein kleines Loch in der Leinwand, dort, wo die Truhe gemalt ist. „Gut, dass du das gesehen hast“, lobt Christian Vechtel das Adlerauge des Kollegen.
Als die Kandidaten dazukommen, philosophieren die Händler über den Inhalt. „Ich finde, dieses Gebäude könnte auch heute noch genauso aussehen“, meint David Suppes. „Ich fühle mich da hineinversetzt.“ – „Was auch sehr schön ist: dass man auf dem Boden dieses Fenster sieht und dahinter diesen üppigen Garten“, schwärmt Christian Vechtel.
„Bares für Rares“-Händler lassen sich auf einen Deal ein
Aber was sind die potenziellen Käufer bereit, dafür auszugeben? „Wir haben leider eine kleine Beschädigung. Ich starte mit 150 Euro“, sagt Christian Vechtel. Auch Elke Velten und David Suppes bieten mit. Bei 270 Euro kommt die Verhandlung ins Stocken. „Sind sie damit zufrieden?“, fragt David Suppes nach.
„Nein, nein“, sagt Rainer Samans. „Die Expertise ist viel, viel höher“, verrät seine Frau. Elke Velten und Christian Vechtel machen aber trotzdem nur in kleinen Schritten weiter, landen so nach einigem Hin und Her bei 420 Euro. Da ist Elke Veltens Schmerzgrenze erreicht.
„Also ehrlich gesagt, die Differenz zwischen Ihrem Preis und dem Gutachten ist ja doch noch ziemlich groß“, sagt Rainer Samans. „Finden Sie?“, hakt Christian Vechtel nach. „600 bis 800 Euro und sie sagen 420 Euro – das ist die Hälfte.“
Christian Vechtel legt noch ein paar kleine Scheine oben drauf. Bei 450 Euro schlägt das alte Ehepaar dann doch ein. Schließlich wollte es sein Gemälde ja auf keinen Fall wieder mit nach Hause nehmen.




