„Es ist wie ein Trieb. Eigentlich will ich es nicht machen – aber irgendwie doch“
Neuss · Er hat einen Berg von Schulden, war sogar schon obdachlos – und kann dennoch nicht mit dem Glücksspiel aufhören. Dieses Bild zeichnet aktuell die Sendung „Armes Deutschland“, für die auch in Neuss gedreht wurde.

Bürgergeld-Empfänger Christian F. kann trotz Schulden nicht mit dem Glücksspiel aufhören.
Foto: RTLZWEI/Madame Zheng/RTLZWEI
Es ist eine Abwärtsspirale, aus der Christian F. offenbar nicht mehr herauskommt. Früher, so sagt er, habe er gutes Geld verdient. Doch dann kam die Spielsucht und er habe einen fünfstelligen Betrag „verzockt“.
Der 52-Jährige ist gelernter Chemielaborwerker, später arbeitete er als Busfahrer. Seit einem Jahr ist er nun arbeitslos. 563 Euro hält Christian F. in die Kamera – das ist der Betrag, den der 52-Jährige an Bürgergeld erhält.
Aktuell ist der Neusser in der Sendung „Armes Deutschland – Stempeln oder abrackern?“ zu sehen. In dem Format, das beim Sender RTLZWEI ausgestrahlt wird, wird die Frage aufgegriffen, ob sich Arbeit in Deutschland lohnt.
Dafür begleitet die Produktionsfirma Bürgergeld-Empfänger und Menschen, die arbeiten gehen – und am Rande der Armut leben. Gezeigt wird die Sendung bei RTLZWEI, zu sehen sind die Folgen auch beim Streamingdienst RTL+.

In der Gaststätte „Schärpe Eck“ wurde für „Armes Deutschland“ gedreht.
Foto: Sophia Kupferschmidt
Wie sehr Christian F. in seiner Sucht gefangen ist, zeigt die Folge eindrücklich. Aktuell befindet sich der 52-Jährige in der Privatinsolvenz.
Der Neusser habe in seinem Leben etwa 5000 Euro am Automaten gewonnen – bei einem Einsatz von 25.000 Euro, schätzt Christian F.. Die Finger kann er dennoch nicht vom Glücksspiel lassen.
Die Produktionsfirma begleitet ihn ins Lokal Schärpe Eck, wo er sich direkt an den Automaten setzt. „Es ist wie ein Trieb. Eigentlich will ich es nicht machen – aber irgendwie doch.“
Am Automaten zu sitzen, beschreibt er als „ein erwartungsvolles Gefühl“. Den Einsatz minimiere er auf 20 Cent pro Spiel – so rechtfertigt er, dass er trotz seiner Schulden weiterspielt. Während der Dreharbeiten verliert er dennoch zehn Euro von seinem Bürgergeld.
Angekommen in seiner Ein-Zimmer-Wohnung, gibt er einen Einblick in seine Vergangenheit. „Ich hätte das Spielen nicht anfangen sollen. Das war der Anfang vom Ende“, sagt Christian F.. Zwei Jahre lang war er obdachlos und schlief in städtischen Einrichtungen.
Auch fürdiese Situation war seine Spielsucht die Ursache: Sein Vermieter hatte ihn damals gekündigt, weil er die Miete nicht mehr bezahlen konnte. „Ich hatte das Gefühl, ich falle ins Bodenlose.“
Er habe sich in diesen Jahren wertlos gefühlt, sagt Christian F.. Der 52-Jährige zeigt einen Stapel Briefe – Gläubiger, die ihr Geld zurückfordern.
„Das ist das Spiegelbild der Verfehlungen der letzten zehn Jahre.“ Mit der Situation versucht er dennoch nüchtern umzugehen. „Es ist halt passiert, ich kann es nicht ändern.“
Ausgestrahlt wird die Folge „Ein Hauch von Hollywood“, in der unter anderem der Neusser zu sehen ist, am Mittwoch, 12. November, auf RTLZWEI.




