Was sagen die Experten von „Bares für Rares“? Legendäre Uhr aus Hamm in TV-Trödelshow

Werries – So ein Angebot in einer der erfolgreichsten TV-Trödelshows kann zur Legendenbildung beitragen – zur Legende von Paul Posingis und seinen revolutionären Schachuhren, die er in den 1930er Jahren entwickelte.

Ein Exemplar aus seiner einstigen Uhrmacherwerkstatt in Werries soll am Mittwoch, 18. März, den Experten um Moderator Horst Lichter in der Kultsendung „Bares für Rares“ im Fokus stehen. Was wissen sie über die Uhr mit dem bahnbrechenden Mechanismus? Über den längst verstorbenen Erfinder und Tüftler? Was ist sie wert?

Die Geschichten von Posingis (1902 bis 1976) und seiner Uhr wirken manchmal so, als seien sie Teil des kollektiven Gedächtnisses in und rund um die Zechenkolonie Maximilian.

Es sind aber vor allem ältere Werrieser und heimische Schachspieler, die dieses Kapitel der Erinnerungskultur weitererzählen.

Doch eine genaue geschichtliche Aufarbeitung von Posingis‘ Wirken steht noch aus. Sie erweist sich als schwierig. Die Faktenlage ist teils dünn. So entstehen Legenden.

Die jüngsten Berichterstattungen zum Thema fördern diese Entwicklung. Zunächst ging es um die Vererbung zweier Schachuhren an die jungen Urenkel von Posingis, an Jorina und Leo Kahl.

 Der heimische Schachspieler Harald Dreesbach trug mit seinen persönlichen Erfahrungen zur Legendenbildung bei. Er war Mitglied des einstigen Schachvereins Werries 1927 und erinnert sich, als die Werrieser Posingis-Uhren 1985 durch neue Modelle ersetzt wurden.

Er hat sich Exemplare aus der frühen Schaffenszeit von Posingis gesichert und lobt die Präzision und Robustheit der bis heute funktionstüchtigen Handarbeit.

 Harald Dreesbach zeigt seine beiden Posingis-Schachuhren. Der Ausführung nach mit Holzwippe stammen sie aus den ersten Produktionsjahren und könnten fast 100 Jahre alt sein.
Raritäten auf dem Schachbrett: Harald Dreesbach zeigt seine beiden Posingis-Schachuhren. Der Ausführung nach mit Holzwippe stammen sie aus den ersten Produktionsjahren und könnten fast 100 Jahre alt sein. © Torsten Haarmann

Hans Posingis kam als Kolonieverwalter der Zechensiedlung Maximilian nach Werries. Sohn Paul erkrankte an Kinderlähmung, deren Folgen ihn sein Leben lang körperlich beeinträchtigten.

Mit „eisernem Willen“, wie es in der Familienchronik heißt, kam er wieder auf die Beine. Nach der Schule wurde er Uhrmacher, machte seinen Meister. In seiner Freizeit war er ein leidenschaftlicher Schachspieler. Er gehörte 1927 zu den Gründern des Schachvereins Werries, war erster Vorsitzender.

Erste Schachuhren kamen Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Sie begrenzten die Bedenkzeit. Der Ärger über das ungenaue Zeitnehmen beim Schachspielen ließ Posingis Anfang der 1930-Jahre an einem besonderen Mechanismus für eine Schachuhr tüfteln.

„Hätte Paul Posingis damals ein Patent angemeldet, er hätte Hamm weltberühmt gemacht“, ist Schachspieler Harald Dreesbach überzeugt. Doch fürs Patent fehlte letztlich das Geld.

Die in der Werkstatt am Alten Uentroper Weg (heute Immobilienbüro, dahinter Eckkneipe Schillereck) gefertigten Schachuhren brachten dennoch gute Gewinne ein.

Die Präzision des Laufwerks in den Posingis-Uhren soll Fabrikmodellen deutlich überlegen gewesen sein. Sie kamen unter anderem bei der Schach-Olympiade 1936 in München zum Einsatz.

Viele Uhren gingen ins Ausland, bis in die USA. Sie sind in der Schachwelt bis heute ein Begriff, Exemplare schwer zu bekommen. Woher die bei „Bares für Rares“ angebotene Uhr stammt, wird erst am Mittwoch bekannt.

Recherche zur Posingis-Geschichte in Werries

Vieles zur Posingis-Geschichte ist noch unklar. Die Nachfahren des Uhrmachers haben sich daher zur Recherche aufgemacht. „Ja, das ist eine Legende in unserer Familie“, sagt Uhrmacher-Enkel Nico Posingis.

Manche Details sind noch in Familienarchiven zu entdecken. Er selbst hat daheim noch eine Schachuhr seines Großvaters.

Sie habe einen Ehrenplatz. Die Erzählungen darüber beeindruckten Gäste, sagt Nico Posingis. Er stellt aber fest, „immer weniger wissen etwas darüber. Die meisten Leute haben keine Ahnung mehr davon.“ Das könnte sich ja nun ändern.

In die Uhrmacher-Fußstapfen ist er nicht getreten. Er spielt auch kein Schach. Aber die in der Familie verbreitete Kreativität hat seinen beruflichen Weg bestimmt. „Gespannt“ werden er und seine Frau am Mittwoch die TV-Show Bares für Rares verfolgen, sagt der Chef von Posingis Ausbautechnik von der Fangstraße.

ARCHIV - 02.10.2024, Nordrhein-Westfalen, Köln: Der Fernsehkoch und Buchautor Horst Lichter steht bei der Sendung Kölner Treff im Studio des WDR. (zu dpa: „Horst Lichter lehnt Gutscheine als Geschenk ab“) Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Gastgeber bei „Bares für Rares“: Horst Lichter. © Oliver Berg/dpa

Im Hause von Posingis-Enkel Oliver Kahl am Julienweg, in direkter Nachbarschaft zu Paul Posingis einstigem Haus, wird das nicht anders sein. „Gespannt“ ist er auf die Expertise der Händler. Einige Hintergrundinfos hatte er im Vorfeld an die Produktionsfirma der Show, an die Warner Bros. International Television Production Deutschland weitergeleitet.

Bei Oliver Kahl hat das Erbe von Paul Posingis einen Ehrenplatz im Haus. Sein Großvater hat die Schachuhr revolutioniert und er war Mitbegründer des Schachvereins Werries, was die Ehrenurkunde von 30. September 1967 belegt.
Vom legendären Uhrmacher: Bei Oliver Kahl hat das Erbe von Paul Posingis einen Ehrenplatz im Haus. Sein Großvater hat mit seiner Feinmechanik die Schachuhr revolutioniert, und er hat sich auch als Schachspieler und Mitbegründer des Schachvereins Werries hervorgetan, was die Ehrenurkunde vom 30. September 1967 belegt. © Torsten Haarmann

Für einige Hundert Euro werden vereinzelt Posingis-Uhren angeboten. „Ich hoffe, dass sie 500 Euro bringt“, sagt er, auch wenn er den Erhaltungszustand nicht kennt. Details zur vorproduzierten Show sind nicht bekannt. Überraschungen sind Teil des Erfolgs der Sendung. Die Produktionsgesellschaft bestätigte zumindest, dass es in der Folge „Bares für Rares“ am Mittwoch, 18. März 2026, 15.05 bis 16 Uhr, im ZDF um die Schachuhr gehen soll.

 

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Back to top button
error: Content is protected !!