„Muss auf mein Herz hören“: Tränen bei „Bares für Rares“ – Verhandlung nimmt unerwartete Wendung
Köln – Andreas Sigrist lebt in Basel in der Schweiz. Zu „Bares für Rares“ ins Pulheimer Walzwerk hat er eine gut 100 Jahre alte Porzellanskulptur mitgebracht. Es handelt sich um eine Darstellung des griechischen Gottes Zeus in Gestalt eines Stiers mit der phönizischen Königstochter Europa auf seinem Rücken.

Die Ausarbeitung des Motivs aus der griechischen Mythologie erfolgte laut „Bares für Rares“-Experte Colmar Schulte-Goltz zwischen den Jahren 1915 und 1926. Geschaffen hat die Porzellanskulptur – weiß glasiert und handbemalt – der Hannoveraner Künstler Karl Nacke im Auftrag der Porzellanmanufaktur Fraureuth, die 1865 gegründet worden war und 1926 in Konkurs ging.
Deal scheitert: Verkäufer kommen bei „Bares für Rares“ die Tränen
Die Skulptur mit dem Titel „Europa mit Stier“ hat Andreas Sigrist von seinem Vater geerbt. Lange habe diese im Schaufenster einer Metzgerei in Basel gestanden, in der Sigrists Vater als Filialleiter gearbeitet hatte.
Als das Geschäft geschlossen wurde, hatte der Vater darum gebeten, die Skulptur behalten zu dürfen – sein Chef habe sie ihm daraufhin geschenkt. „Und als meine Eltern dann gestorben sind, war klar, dass sie an mich gehen würde“, berichtet Sohn Andreas bei „Bares für Rares“.
Doch nun möchte der 55-Jährige sich von dem Erbstück trennen. 500 bis 600 Euro wünscht er sich – und stimmt damit ziemlich genau mit der Expertise von Colmar Schulte-Goltz überein, der 550 bis 650 Euro angibt. Moderator Horst Lichter händigt also ohne weitere Umstände die Händlerkarte aus.
Im Händlerraum stoßen Europa und der Stier ebenfalls auf eine Menge Interesse. Von den fünf Händlern hält sich lediglich Elke Velten zurück, die eher bei Schmuck zuschlägt. Dafür bieten Markus Wildhagen, Christian Velten, Julian Schmitz-Avila und Liza Kielon, die erst seit einem knappen Jahr Teil des „Bares für Rares“-Teams ist.
Bei 200 Euro geht es los, schnell steigen die Gebote auf 600 Euro. Schmitz-Avila ist schließlich der Höchstbietende.
Verhandlung bei „Bares für Rares“ nimmt emotionale Wende
Doch als der Rheinländer den Deal perfekt machen will – er greift bereits nach seinem Geldbeutel –, geschieht etwas völlig Unerwartetes.

Verkäufer Andreas Sigrist steht plötzlich mit Tränen in den Augen vor der Händler-Runde. „Jetzt, wo ich ihn da stehen sehe, kommen so viele Erinnerungen wieder hoch“, gibt der Schweizer zu. Er ist sich nicht sicher, ob er die Skulptur tatsächlich verkaufen kann.
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Kurz herrscht Verblüffung bei den Händlern. So etwas erleben sie selten. Doch dann ergreift Liza Kielon das Wort: „Wir haben Verständnis für emotionale Werte. Wir sind Ihnen nicht böse, wenn Sie jetzt sagen, dass Sie sich doch nicht trennen können.“ „Wirklich nicht?“, fragt Verkäufer Andreas zurück.
Als dann auch Julian Schmitz-Avila Verständnis signalisiert, ist die Sache klar. „Ich glaube, dann muss ich auf mein Herz hören“, entscheidet sich der Schweizer gegen einen Verkauf. Unter dem Applaus des Händler-Teams verlässt er das Studio.
Zurück bleiben diesmal sichtlich beeindruckte Händler. „Das haben wir selten, finde ich aber ganz groß“, meldet sich Christian Velten zu Wort.
„Mich hat das gerade jetzt etwas berührt“, gibt Markus Wildhagen, der sich einst selbst mit einer emotionalen Botschaft an seine Frau aus Paris meldete. Und Schmitz-Avila gibt gar zu: „Ich habe lange nicht mehr geweint, aber ich war kurz davor.“
Tatsächlich entscheiden sich Verkäufer bei „Bares für Rares“ selten aus emotionalen Gründen gegen einen Verkauf. Meist scheitert ein Deal daran, dass die Händler zu wenig bieten – wie kürzlich im Fall einer antiken Goldkette.
Manchmal sind es aber auch die Händler selbst, die vom Verkauf eines Objekts abraten, wie etwa bei einem Musikstudenten, der die wertvolle Erstausgabe einer Mendelssohn-Partitur hergeben wollte.








