Fast wie bei „Bares für Rares“: Hier zeigt sich, was wirklich wertvoll ist

Ist ein altes Gemälde vom Dachboden womöglich ein Vermögen wert? So funktioniert die Sendung „Bares für Rares“. Ähnlich läuft die Kunstsprechstunde, die jetzt in Biberach stattfand.

Petra Müller aus Biberach (Name von der Redaktion geändert) lädt zwei großformatige Gemälde aus ihrem Auto und trägt sie in die „Baubar“.

Die herrschaftliche Villa an der Memminger Straße ist an diesem Samstag Schauplatz der Kunstsprechstunde, die das Mannheimer Auktionshaus bereits zum zweiten Mal veranstaltet.

Das Prinzip ähnelt dem der ZDF-Sendung „Bares für Rares“: Interessierte bringen Kunstgegenstände mit, um deren Wert schätzen zu lassen oder sich eine Expertise zu holen.

Der kleine Unterschied zur Sendung: Während dort anschließend mehrere Kunsthändler sofort in eine Auktion einsteigen, dient die Kunstsprechstunde eher als Anstoß für eine Überlegung zum Verkauf.

Ein Gemälde von Christian Mali

So wie Petra Müller, die neben den beiden Bildern auch noch ein Gemälde von Christian Mali, eine Skulptur, eine goldene Taschenuhr und einen Goldring dabei hat, kommen an diesem Samstag rund 60 Menschen aus der Region mit ihren „Schätzen“ in die „Baubar“. „Wir sind komplett ausgebucht heute“, sagt Klaus Fischer vom Mannheimer Auktionshaus.

An drei Tischen sitzen in einem großen Saal Aaron Gärtner, Geschäftsführer des Auktionshauses, sowie zwei weitere Kunstexperten des Unternehmens, die die mitgebrachten Kunstgegenstände unter die Lupe nehmen – auch die von Petra Müller.

Jeder der drei hat unterschiedliche Schwerpunkte. Aaron Gärtner ist vor allem auf Gemälde und Schmuck spezialisiert.

Die Gegenstände, die Petra Müller mitgebracht hat, hat sie nach dem Tod der Eltern geerbt. „Ich bin nicht primär mit dem Vorsatz hergekommen, alles zu verkaufen“, sagt sie. Sie wolle zunächst einmal wissen, ob die Dinge überhaupt einen Verkaufspreis erzielen würden.

Fast wie bei „Bares für Rares“: Hier zeigt sich, was wirklich wertvoll ist

Sicher ist sie sich vorab nur beim Bild des in Biberach beerdigten Malers Christian Mali, dessen Atelier im hiesigen Museum zu sehen ist.

Schön, aber nicht viel wert

Aaron Gärtner betrachtet zunächst eines der beiden großformatigen Bilder – ein abstraktes Gemälde, geprägt von verschiedenen Blautönen. Es stammt vom Mailänder Maler Bruno Fael, der 2015 verstorben ist. „Ein schönes Bild“, findet Gärtner. Sein subjektives Urteil ist für einen Preisvorschlag aber nicht entscheidend.

Zu einer Preisbestimmung nutzt der Geschäftsführer das Portal Artprice, auf dem alle bekannten Künstler mit Verkaufspreisen bei Auktionen gelistet sind – so auch Bruno Fael. Das Ergebnis ist allerdings ernüchternd. „2022 wurde eines seiner Bilder in Italien für 50 Euro gehandelt – und nicht verkauft“, sagt Gärtner. Er recherchiert weiter.

Früher hätten Faels Bilder höhere Preise erzielt, inzwischen nicht mehr, sagt er zu Petra Müller. An einem Ankauf ihres Bildes ist das Auktionshaus deshalb nicht interessiert. Ähnlich verhält es sich auch mit dem anderen großformatigen Bild, das sie dabei hat.

Auf größeres Interesse stößt hingegen das Landschaftsgemälde von Christian Mali. Dieses weist allerdings Schäden auf und müsste repariert und gereinigt werden. „Sofern Sie es an uns verkaufen, übernehmen wir die Restaurierung“, bietet Gärtner an. 400 Euro würde er Petra Müller als Kaufpreis bezahlen.

Firmengründung 1955 in München

Das Mannheimer Auktionshaus bietet angekaufte oder in Kommission genommene Kunstgegenstände bei den in der Regel viermal jährlich stattfindenden Auktionen an. Auch eigene Ladenräume, in denen Kunstwerke ver- und gekauft werden können, unterhält das Auktionshaus in Mannheim, Miltenberg, Heidelberg und Berlin.

Gegründet wurde das Unternehmen 1955 und hatte seinen Sitz anfangs am Viktualienmarkt in München, wie Aaron Gärtner berichtet. In Mannheim war es später dann eines der ersten Auktionshäuser. „Auch heute ist die Zahl der Mitbewerber in diesem Sektor eher gering“, meint Gärtner, auch wenn es verschiedentlich Trittbrettfahrer gebe.

Spezialisiert ist das Mannheimer Auktionshaus auf Gemälde, Schmuck, Skulpturen, Münzen und Porzellane. „Möbel, Musikinstrumente oder Pelze gehören hingegen nicht zu unserem Geschäftsgebiet“, sagt Gärtner.

Taschenuhr ist wertvoll

Gemälde und Skulpturen waren auch die meisten Kunstgegenstände, die die Interessierten zur Kunstsprechstunde nach Biberach mitbrachten.

Für die kleine Skulptur, die Petra Müller dabei hat, kann Aaron Gärtner ihr jedoch kein Angebot machen. „Der Künstler ist nirgendwo verzeichnet. Das ist oft der Fall, wenn es sich nur um lokale oder regionale Kunstschaffende handelt.“ Auf dem nationalen Markt lasse sich diese Kunst meist nicht verkaufen.

Besser sieht es hingegen bei der goldenen Taschenuhr aus, die Müller dabei hat. „Ein sehr schönes Stück“, befindet Geschäftsführer Gärtner. Allein der Goldwert betrage rund 2500 Euro.

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Und auch für den goldenen Ring, den Petra Müllers Opa anscheinend von seiner Geliebten bekommen haben soll, erhält sie einen Preisvorschlag „Das war wohl ursprünglich ein Siegelring, auf den ein mittelklassiger Brillant gesetzt wurde“, urteilt der Experte. Brillanten seien im Verkauf nicht mehr so gefragt. 350 Euro könne er aber als Kaufpreis anbieten, meint Gärtner.

Während Petra Müller mit dem genannten Preis zufrieden ist, komme es auch immer wieder vor, dass Leute enttäuscht reagierten, wenn das Auktionshaus Kruscht von Kostbarkeiten trennt. „Das ist gerade bei Schmuck oft ein Thema“, sagt Gärtner.

„Viele bringen uns ihren Familienschmuck, von dem sie denken, dass er hohe Summen bringt, und sind dann enttäuscht, wenn wir ihnen sagen müssen, dass die Schmuckstücke nur vergoldet sind.“ Am Markt verkaufen lasse sich in der Regel aber nur echter Goldschmuck.

Schwierig sei es auch mit angebotenem Porzellan, so der Geschäftsführer. „Lediglich Meissener Porzellan lässt sich am Kunstmarkt aktuell noch weiterverkaufen, alles andere ist quasi wertlos.“

Für Petra Müller war der Besuch bei der Kunstsprechstunde hingegen auf jeden Fall wertvoll. Sie hat die Visitenkarte von Aaron Gärtner mitgenommen und überlegt, zumindest das Mali-Gemälde zu verkaufen.

Die beiden gering bewerteten Bilder werde sie wieder zu Hause aufhängen. „Denn die gefallen mir einfach gut.“ Und von Taschenuhr und Ring kenne sie nun zumindest den Schätzpreis. „Die behalte ich mal als Wertanlage.“

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