Nach 13 Jahren regen sich Fans immer noch über eine Sache auf, dabei haben sie “Bares für Rares” wohl einfach nicht verstanden
„Bares für Rares“-Fans maulen online immer wieder über dieselbe Sache. Warum ich den Ärger bis heute absolut nicht nachvollziehen kann, erfahrt ihr hier.

Seit über einem Jahrzehnt flimmert „Bares für Rares“ über unsere Bildschirme, und fast genauso lang bespielt das ZDF den hauseigenen YouTube-Kanal mit Highlights der Sendung.
Doch wer sich ab und zu in die Kommentarspalte verirrt, der wird immer wieder auf dieselbe Kritik stoßen: Angeblich fällt die Expertenschätzung ständig viel zu niedrig aus. Schließlich würde man bei Ebay, im Auktionshaus oder beim Sammler um die Ecke doch locker das Doppelte bekommen.
Als Fan der ersten Stunde kann ich bei dieser Kritik nur noch müde lächeln. Denn sie zeigt vor allem eines: Dass manche Zuschauer die Spielregeln der Show – und der freien Marktwirtschaft – auch nach 13 Jahren noch nicht ganz verstanden haben.
Wenn Fans glauben, dass sie es besser wissen als die Experten
Ich gebe zu: Ich lese die Kommentare gerne. Es ist faszinierend zu sehen, mit welcher Inbrunst sich die Community über vermeintliche Ungerechtigkeiten empört.
Da wird eine lebensgroße Star-Trek-Figur auf 1.200 Euro geschätzt, und sofort tippen sich manche „Bares für Rares“-Fans die Finger wund: Es sei mal wieder total unfair, dass ein Gast mit einem viel zu niedrigen Schätzpreis abgespeist werde.
Dahinter steckt meist der Vorwurf, dass die Expert*innen die angereisten Gäste absichtlich über den Tisch ziehen würden oder schlichtweg keine Ahnung von ihrem Metier hätten. Meist paart sich diese Entrüstung mit dem gutgemeinten Rat, das geliebte Erbstück doch lieber im Internet zu versteigern oder einem Luxus-Auktionshaus zu übergeben.
Doch während ich durchaus verstehe, woher diese Annahme kommt, offenbart die „Das-ist-bei-Ebay-aber-teurer“-Fraktion eigentlich nur eine Sache: Sie haben nicht verstanden, wie der Schätzpreis bei „Bares für Rares“ überhaupt funktioniert.
Hinter dem Schätzpreis steckt kein fieser Plan
Man muss wirklich kein Wirtschafts-Ass sein, um zu verstehen, warum die Expertise oft deutlich niedriger ausfällt als der erhoffte Wunschpreis.
Denn bei den lautstarken Kritikern hat sich ein kleiner Denkfehler eingeschlichen: Sie verwechseln den Endkundenpreis mit dem Ankaufspreis.
Wenn ein Kunstwerk auf dem freien Markt für 1.000 Euro den Besitzer wechseln könnte, kann die Expertise in der Show unmöglich bei 1.000 Euro liegen. Warum? Weil die Händler*innen Waldi, Susi und Co. sonst keinen einzigen Cent mit einem Verkauf verdienen würden.
Ein Händler ist kein Endverbraucher, der sich eine sperrige Star-Trek-Figur ins eigene Wohnzimmer stellt, sondern muss selbst Zeit und Geld investieren, um für den Gegenstand den passenden Kunden zu finden.
ZDFDamit die Händler*innen überhaupt Miete, Personalkosten und Co. für ihre Geschäfte bezahlen können, müssen sie auf jedes angekaufte Objekt eine ordentliche Händlermarge aufschlagen. Außerdem kann es passieren, dass angekaufte Objekte oft monatelang im Geschäft verstauben; auch dieses Risiko muss in den Preis einkalkuliert werden.
Wenn Experten also den Preis eines Objektes schätzen, dann handelt es sich dabei immer um den Ankaufspreis, den die Händler zahlen könnten, um ein profitables Geschäft zu machen.
Wer sich also das nächste Mal darüber echauffiert, dass ein Experte viel zu wenig aufruft, sollte sich vor Augen führen, dass die Händler schlichtweg keine Liebhaberpreise zahlen können.
Natürlich kann es sich deshalb für Gäste lohnen, den mitgebrachten Schatz wieder einzupacken und privat zu verkaufen, doch wer bei der Show verkaufen will, muss wohl oder übel akzeptieren, dass die Händler ihren Teil vom Kuchen abhaben wollen und müssen.
Wenn ihr eine Statue sehen wollt, die Horst Lichter das Fürchten gelehrt hat, dann schaut hier vorbei:
“Hässliches Teil”: Horst Lichter lästert bei “Bares für Rares” über groteske Statue




