„Was hat sie gesagt?“ – Verkäuferin bei „Bares für Rares“ fällt bei einzigem Gebot aus allen Wolken
Köln – Diana Seehafer aus Aschaffenburg in Unterfranken bringt einen Anhänger sowie eine schweren Armreif mit zu „Bares für Rares“ ins Pulheimer Walzwerk. Beide Stücke sind mit schwarz gefärbter Emaille ummantelt sowie einem Mondsein und einigen kleinen Rosendiamanten verziert.

Bei dem Schmuck, den die Deutsch-Amerikanerin einst von ihrem Ehemann zur Verlobung bekam, handelt es sich eigentlich um Trauerschmuck.
„Das wussten wir damals natürlich nicht, unsere Verlobung war schon ein freudiges Ereignis“, stellt die 68-Jährige lachend klar. Später habe sie dann erfahren, dass die englische Queen Victoria einen solchen Schmuck zur Mode gemacht hatte, die 40 Jahre in Trauer um ihren 1861 gestorbenen Mann Albert gelebt habe.
Goldschmuck-Gebot verblüfft Verkäuferin bei „Bares für Rares“
Das bestätigt „Bares für Rares“-Expertin Heide Rezepa-Zabel, die die Entstehungszeit des Schmucks in die 1850er bis 1870er Jahre datiert. Ob er tatsächlich in England hergestellt wurde, kann sie aber nicht sagen, denn dem Schmuck fehlt jegliche Hersteller-Marke.
Auch den Goldgehalt muss sie erst testen und kommt zu dem Ergebnis, dass es sich tatsächlich um das aktuell hoch gehandelte Edelmetall handelt, mit 585er Legierung und immerhin einem Gewicht von 45 Gramm.
Als Moderator Horst Lichter Diana Seehafer nach ihrem Wunschpreis fragt, kommt diese ins Grübeln: „Ich hatte mal an 500 Euro gedacht“, sagt die Unterfränkin.
„Nach der Expertise würde ich aber eher sagen, 500 Euro pro Stück?“ Fragend geht ihr Blick in Richtung der Expertin. Die setzt kurz ein Pokerface auf, um dann herauszurücken: „Allein der Goldpreis liegt hier schon bei etwa 4800 Euro.“ Verkäuferin Diana schnappt nach Luft, kann ihr Glück kaum fassen.
Horst Lichter schränkt jedoch gleich ein, die Verkaufschancen richteten sich immer nach der Mode. Das bestätigt Heide Rezepa-Zabel: „Dieses Stück spricht Sammler an, da braucht es einen Liebhaber.“
Einen Preis von 5000 bis 5200 Euro hält sie für realistisch. Für Diana Seehafer mehr als genug – „Fantastisch, das hätte ich nicht gedacht.“ –, hochzufrieden akzeptiert sie die Händlerkarte.
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Immer wieder gibt es bei „Bares für Rares“ solche rührenden Geschichten: Einem Ehepaar aus Hessen kamen gar die Tränen als es die Schätzung für seinen Goldschmuck aus dem Iran erfuhr, der jahrzehntelang in der Schublade gelegen hatte.
Ähnlich ging es einer Verkäuferin, die vom wahren Wert ihres Gold-Armbands völlig überrascht wurde.
Als jedoch Diana Seehofer den Händlerraum betritt, bestätigt sich die Vorhersage von Horst Lichter und Heide Rezepa-Zabel. Kaum ein Händler hat Interesse, vor allem als Seehofer den Goldpreis nennt.
„Für mich ist das nichts in der Preislage“, wehrt beispielsweise der Düsseldorfer Antiquitätenhändler Markus Wildhagen ab. Auch die übrigen Männer im Raum – darunter „Bares für Rares“-Urgestein Waldi Lehnertz – schütteln die Köpfe.
Antiker Trauerschmuck erhält bei „Bares für Rares“ nur ein Gebot
Lediglich Schmuckhändlerin Susanne Steiger ist fasziniert von Anhänger und Armreif. „Diese antiken Stücke in der Qualität sind so selten geworden“, schwärmt sie.
Doch wie viel ist sie bereit zu bieten, ganz ohne Konkurrenz? „Ich sehe da einen Ankaufspreis von etwa 6000 Euro, im Verkauf um die 7000 Euro“, schätzt die Händlerin – und bietet dann tatsächlich 6000 Euro, klar über der Expertisen-Schätzung.
Diana Seehafer lässt sich aber gar nichts anmerken. „Ja, sehr gerne“, sagt sie bloß lapidar auf Steigers Frage, ob sie mit dem Angebot einverstanden sei. Erst als sie mit einem ganzen Bündel 200-Euro-Scheine in der Hand den Händlerraum verlassen hat, bricht ein lauter Jubelschrei aus ihr heraus.
„Ich habe erst gedacht, ‚Was hat sie gesagt?‘, ich konnte kaum atmen.“ Immerhin hat sich ihr Wunschpreis ganz locker versechsfacht – ausgehend von den ursprünglich erhofften 500 Euro sogar verzwölffacht. Eine Geschichte, wie sie wohl nur „Bares für Rares“ schreibt.
Diana Seehafer erinnert in ihrer Freude an eine Rentnerin, die bei „Bares für Rares“ einst den „besten Fächer meines Lebens“ abstaubte, weil sie einen unerwartet hohen Preis für ihre 150 Jahre alte Brosche erzielte.








